Piaffe

Piaffe

Ein Video welches zeigt, dass man ganz ohne Druck eine perfekte Piaffe reiten kann wenn sich das Pferd im Gleichgewicht befindet.

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Klassische Reitkunst

Klassische Reitkunst ist die Kunst, das Pferd auf eine naturgemäße und pferdegrechte Weise auszubilden.

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Rollkur

Ein interessanter Artikel zum Thema "Rollkur". Schon etwas älter, aber trotzdem leider immer noch aktuell.

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Ein Experiment

Der Mensch hat dieselben Muskel- und Knochenschmerzen, wie das Pferd, wenn Muskeln und Knochen über die Gebühr in Anspruch genommen werden, und jeder Reiter kann Studien an seinem eigenen Körper machen, um sich von dem Grade dieser Schmerzen zu überzeugen.

Legen Sie sich gefälligst eine geringe Last auf den wagerechten ausgestreckten Arm und halten sie ihn dicht über ein auf die hohe Kante gestelltes Lineal, welches sie auf einen dem wagerechten Arm entsprechenden hohen Schrank stellen. Die ersten fünf Minuten werden Sie die Last durch Verschiebung und Schiefstellung des Körpers zu tragen suchen, aber es ist der Schmerz im Knochen des Unterarms, wenn man diesen zur Stütze fest auf das Lineal legt, noch größer, als die Muskelschmerzen; sehr bald aber wird der Schmerz in den Muskeln so groß, daß Sie willig das Lineal in den Arm sich einbohren lassen, weil es der geringere Schmerz ist, und weil Sie es nicht mehr lassen können.

Ganz dieselbe Manipulation macht das Pferd bei übertriebenen Anforderungen durch. Die schärfste Candare drückt ihm die Kinnlade durch, weil es dieses Stützpunktes unabänderlich bedarf, wenn seine Haltung nicht vorher geregelt ist, und doch soll der Gehorsam durch das Mundstück noch am vierten Finger des Reiters sitzen. Wenn Sie dies einmal probirt haben, und das Opfer einer Viertelstunde ist dieser Versuch wohl werth, so werden Sie zeitlebens Mitleiden mit dem Pferde haben, und keine Anforderung an das Pferd stellen, wodurch es dieser Tortur verfallen muß, denn nichts entspricht weniger der Wahrheit, als der Glaube, daß das Pferd aus Gehlust auf die Zügel bohrt.

Otto Digeon von Monteton: Anglomanie und Reitkunst.- Stendal, 1877.

Baucher
Enfant terible und genialer Reitmeister?

Einer der meist umstrittenen Reitmeister seiner Zeit François Baucher. Noch heute spalten sich die Meinungen zu diesem Reitmeister. Baucher wurde 1796 als Sohn eines Metzgers in Versailles geboren. Über seine reiterlichen Anfänge ist nicht viel bekannt, lediglich weiß man, dass er die ersten Reitinstruktionen von einem Onkel erhielt, der ein Bereiter von Prinz Borghese war. Seinen eigentlichen Ruhm erlangte er im Zirkus. Der damalige Zirkus war kein Wanderzirkus, so wie er es heute ist, sondern war eine Einrichtung, ähnlich wie es die Oper und das Theater heute sind. Seine Pferde waren imstande unglaubliche Bewegungsabläufe zu zeigen, wie die fliegenden Galoppwechsel von Sprung zu Sprung (à Tempi), der Galopp-Pirouette auf drei Beinen, Trab und Galopp rückwärts usw. Die Bewunderung blieb nicht aus, aber es gab auch erklärte Gegner, die seiner Reiterei als „Rückwärtsreiterei" verschrienen. So auch Lord Seymour, ein Gönner von d´Aure und einem Gründungsmitglied des Jockey-Club (Paris 1833). Lord Seymour besaß einen Vollblüter namens Gericault, der als unreitbar galt. „Eines Abends im Circus war es, Baucher kam von der Vorstellung und hatte die Beifallsstürme geerntet, die ihm täglich zukamen. Lord Seymour, der zu Baucher `s Gegnern zählt, befand sich im Durchgang zu den Stallungen inmitten einer Gruppe von Pferdeleuten, bei der sich auch de Breves befand. In dem Augenblick, als Baucher absaß, sagte Lord Seymour mit vernehmlicher Stimme, daß er in seinen Ställen einen dreijährigen Vollblüter habe, auf dem Baucher sich trotz seines Könnens nicht halten würde, und er sei bereit, darauf zu wetten. Darauf trat de Breves hervor und sagte, daß es nicht nötig sei, den Meister anzusprechen, um die Wette zu halten, wenn sie einer seiner Schüler annehme und dieser Schüler sei er, de Breve." Alexis I`Hotte, Ein Offizier der Cavallerie, Olms/1979, S.110 Breve gewann diese Wette und bat Baucher, dieses Pferd in seinen Besitz zu übernehmen. Lord Seymour sollte Baucher noch ein zweites Mal auffordern, sein Können unter Beweis zu stellen. Mit einem Vollblüter Namens Fortunatus. Auch dieses Pferd war bei Baucher in absoluten Gehorsam. Das änderte sich auch nicht, als man ihn bat, sein Können außerhalb der Reitbahn zu demonstrieren; das Pferd blieb unerwartet brav. Baucher stieg ab und übergab das Pferd seinem erstaunten Gegner, der ihn nicht über alle Schwierigkeiten dieses Tieres unterrichtet hatte. „Sie können Ihr Tier wieder haben, aber jetzt wo ich es kenne, warne ich Sie vor etwas: Niemand wird damit umgehen können." Alexis I`Hotte, Ein Offizier der Cavallerie, Olms/1979, S.212 Die Auftritte im Circus machten ihn nicht glücklich, zu viele Menschen, die keine Ahnung hatten. Baucher hatte nach Aussagen seines Schülers l'Hotte ein empfindliches Wesen. Auf dem Höhepunkt seines Erfolges zog er sich immer mehr zurück und arbeitete seine Pferde früh morgens hinter verschlossener Tür. Im März 1855 ereignete sich dann ein tragischer Unfall, der Baucher zwang seinen Reitstil zu ändern. Ein Kronleuchter fiel von der Circusdecke und begrub ihn unter sich. Er trug schwere Verletzungen davon, die er nie wieder ganz auszukurieren vermochte. Das betraf besonders seine Beine, sie waren zum Einsatz wie in vergangenen Tagen nicht mehr zu gebrauchen. Seine Lehren durchliefen viele Stationen, die an Wertigkeit und Erkenntnis nach wie vor eine Bereicherung darstellen. „Aber wenn auch das Ziel, das Baucher vor Augen hatte, sich nie geändert hat, so verhält es sich bei den einzusetzenden Mitteln, es zu erreichen, in keiner Weise gleich." Alexis I`Hotte, Ein Offizier der Cavallerie, Olms/1979, S.97 Am 14. März 1873 erlag er seiner Krankheit.
Viele der Reitmeister und Reiter, die Bauchers Lehren ablehnten/ablehnen haben das Prinzip seiner Arbeitsweise nicht verstanden, oder wollten es nicht verstehen. Davon zeugen auch die Auswüchse seiner Methode, die von seiner heutigen Anhängerschaft teilweise zu sehen sind. Natürlich kann man nicht alles was er lehrte, wie bei fast allen anderen Reitanweisungen auch, eins zu eins übernehmen. Denn jedes Pferd ist anders und der intelligente Trainer paßt seine Methoden den Gegebenheiten an.

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Aber wie gut war Baucher wirklich? Wie gut waren/sind die Reitmeister, die nach Ihm kamen? Er hat sicher, instinktiv, mit dem Biegen der Hälse und Lockern der Unterkiefer viel dafür getan Blockade zu umschiffen, aber das haben auch schon Andere vor ihm. Racinet schrieb:"... Es ist möglich, dass Baucher aufgrund der Macht seines Verfahrens, das heißt derber Sporenattacken um das Pferd "einzuschließen", durch "effet d'ensemble", "ramener outre" usw., einige seiner Pferde gezwungen hat, trotz ihrer möglichen Blockaden Leistung zu zeigen; von daher der Hauch des Künstlichen bei manchen seiner Vorführungen und der allgemeine Eindruck von "trauriger Resignation" bei einigen seiner Pferde." und weiter:"... Die großen Meister waren durch den Erfolg ihrer Arbeit bekannt, aber niemand weiß von den Pferden, mit denen sie nicht weiter kamen. Niemand kennt ihren Namen." [Racinet:François Baucher Enfant terrible oder Genie?] Robert Stodulka berichtet darüber, dass Pferde durch Bauchers "System" bei ungenügender Impulsion stätig werden.[Robert Stodulka:Das Phänomen François Baucher]. Wohl mit ein Grund warum Baucher in der Regel Vollblüter trainierte und James Fillis (ein Schüler eines Schülers von Baucher), nach eigener Aussage [James Fillis:Grundsätze der Dressur und Reitkunst], ausschließlich Pferde von der Rennbahn ritt. Wie sieht es heutzutage aus? Jeder "Reitmeister" der auf sich hält läßt sich mit einem piaffierenden Iberer ablichten. Ist das Ausdruck besonderer Leistung? Schon ein Gueriniere wußte zu berichten, dass die Iberer schon von Natur aus wissen "...sich am Platze zu tummeln". In der Westernreiterei, welche ja bekanntlich stark von Fillis beeinflußt war, kann man, speziell im Turniersport, die negativen Aspekte dieser Ausbildung auch heute noch gut beobachten: stätige Pferde die nicht "...vor dem Bein" sind und Pferde die Maschinen gleich durch die Arenen laufen.


Unterricht,
Beritt und Jungpferdeausbildung

Bei Ihnen auf Ihrer Anlage oder bei uns auf Top ausgebildeten Pferden.



Klassische Dressur!?

"Der Bereiter muss daher seine Kunst auf schwache und ungünstig, ja selbst fehlerhaft gebaute Pferde verwenden, und bei diesen letzteren die Dressur zur Heilgymnastik erheben. In der Medizin hat man sich überzeugt, dass Verkrümmungen des menschlichen Körpers oder krankhafte Zustände einzelner Glieder nicht durch eiserne Maschinen, sondern nur durch entsprechende Übungen geheilt oder gemindert werden können. So kann der Bereiter bei recht klarem Verständnisse seiner Kunst viele natürliche Mängel und Übelstände beim Pferde beheben, und bei solchen Fehlern und Gebrechen, die durch Missbrauch oder Unverstand früherer Reiter demselben beigebracht sind, oft wahre Wunder wirken, indem er sie durch entsprechende Richtung des Pferdes oft gründlich zu heilen vermag, nachdem alle tierärztliche Hilfe vergebens angewendet war.

Leider ist es unglaublich, wie viel Unverstand gerade in dieser schönen Kunst zutage tritt, weil jeder unfähige oder leichtsinnige Mensch, der in anderen Fächern kein Fortkommen sieht, sein Glück als Bereiter versucht. Ohne jede wissenschaftliche Erkenntnis seiner Aufgabe, oft selbst ohne die nötige körperliche Befähigung dazu, beginnt er nun, das edelste Geschöpf unserer Tierwelt handwerksmäßig, wie der Tischler das Holz, nach der Schablone zu bearbeiten und ruht nicht eher, bis er es entweder total zerbrochen, oder dasselbe sein Herr und Meister geworden ist. Anstatt die natürlichen Bewegungen des jungen Pferdes durch Sitz und Hilfen zu fördern, stört und hemmt er sie durch seine eigene steife und falsche Haltung, durch unnatürliche Aufrichtung der Vorhand und durch die Härte und Unzeitigkeit seiner Hilfen. So unterdrückt er nach und nach alle Fähigkeiten des Pferdes, und wenn er es dann zum Krüppel gemacht hat, wird es der natürlichen schlechten Beschaffenheit des Pferdes zugeschoben. Diesen Leuten, die in dem Pferde nur ein dummes, störrisches Geschöpf sehen, welches nur durch Püffe und Schläge untertänig zu machen ist, ist es zu danken, wenn viele Pferdezüchter und Liebhaber meinen, ein Pferd zureiten zu lassen heißt es zuschanden reiten lassen. Diesen Leuten ist es auch zu verdanken, dass die Kunst immer mehr an Achtung verliert.

Nur wenige haben eine Ahnung davon, wie viel Zeit, Geduld und Mühe dazu gehört, einem Pferde eine Vollkommene Ausbildung zu geben. Wie unverständig aber im Allgemeinen dabei verfahren, wie oft gerade der Natur des Pferdes entgegen gearbeitet wird, das zeigen uns die vielen als halb und ganz invalide aus der Dressur hervorgehenden Opfer derselben."
(Gustav Steinbrecht, 1884)

Gustav Steinbrecht

Es zeugt schon von sehr großer Unkenntnis der Reitgeschichte, wenn man die aktuelle Deutschen Reitlehre mit dem Attribut „KLASSISCH“ aufwertet. In der Produktwerbung würde man von einer „Mogelpackung“ sprechen.

Mogelpackung KLASSISCH

Zunächst einmal gilt festzuhalten: Die aktuelle Deutsche Reitlehre basiert auf der HDv.12 von 1937! Fakt ist, das diese Version der Deutschen Reitvorschriften alles sein kann, nur eines nicht: KLASSISCH! Neben einer Zeitdimension hat der Begriff KLASSISCH auch eine Anspruchsdimension : Neben Begriffsdefinitionen wie: „herkömmlich“, „traditionell“ findet man da auch „als Vorbild geltend“, oder umgangssprachlich: super, klasse. Weiter steht da „vollendet“ und „zeitlos geformt“. D.h. den Anspruch, den man aus dem Begriff „klassisch“ ableiten kann ist schlicht ausgedrückt folgender: BESSER GEHT ES NICHT (Zumindest für eine gewisse Zeit – bis es halt jemand besser macht)! Geht man in der Geschichte zurück, so lässt sich wohl durchaus sagen, dass die Reitkunst (also das, was man als KLASSISCH“ bezeichnen kann) so um das Jahr 1848 (Otto von Monteton) final der anglomanen Reiterei zum Opfer gefallen ist. Der Reiterei, die auch heute noch das Reiten dominiert. Dies lässt sich durchaus auch in den darauf folgenden Reitvorschriften erkennen, in denen z.T. grausamstes Reiten propagiert wurde. Mit der Reitvorschrift HDv. 12 von 1926 flackerte noch einmal so etwas wie Reitkultur und Reitkunst auf, erreichte aber vermutlich ebenfalls nicht das Niveau von vor 1848, was auch der Veränderung in der strategischen und taktischen Ausrichtung der Kavallerie geschuldet sein dürfte. Explizit wurde in dieser Reitvorschrift von 1926 darauf hingewiesen, dass der Anhang, welcher sich u.a. mit Elementen der Hohen Schule befasst „nicht etwa eine erschöpfende Ausbildungsvorschrift zum Erlernen der hohen Schule sei“. Es ging dort vielmehr darum aufzuzeigen, „wie weiter fortgeschrittene Reiter ihre und ihrer Pferde Leistungen über den Rahmen der Gebrauchsreiterei hinaus fördern können“. Mit der HDv. 12 von 1937 hat man so etwas wie die REITERLICHE BILDZEITUNG geschaffen. Alles was der einfache Reiter nicht verstehen konnte, wurde weggelassen (das hat man den Ausbildern überlassen – ist nun mal so beim Militär), auch die 1926 noch vorhandenen Elemente der „Hohen Schule“ fielen weg! Reduzierte Gebrauchsreiterei in ihrer Essenz. Und auf Basis dieser BILDZEITUNG (die man noch um alles militärische abspeckte) entstand nun also die aktuelle Deutsche Reitlehre, der man dann quasi – mit dem Attribut „KLASSISCH“ – völlig zu Unrecht – den REITERLICHEN PULITZER-PREIS verlieh. Damit nicht genug, setzte man sich selbst noch die göttliche Krone auf, indem man die UNUMSTÖSSLICHKEIT der Lehre feststellte. Wollen wir nun feststellen was wirklich KLASSISCH ist, dann muss man sich als objektiver Sucher auf den Weg in die Vergangenheit machen und die Scheuklappen des bisherigen eigenen Denkens ablegen.

Autor: Richard Vizethum

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